Seniorenbörse






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Zehnjähriges Jubiläum




Interview mit Frau Dr. Hildegard Kronawitter
Portrait von Frau Ulla Ort





Interview

"Jeder soll gestaltend mitwirken können"

Ein Gespräch mit Dr. Hildegard Kronawitter anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Seniorenbörse

Frage: Frau Kronawitter, Sie sind Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Münchner Seniorenbörse. Sie haben viele Ämter als wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion übernommen, wie schaffen Sie das alles?

Antwort: Mit viel Disziplin, Interesse, Neugier und Offenheit für die Anliegen der Menschen.

Frage: Wann fing dieses Interesse an Politik an? Noch bevor Sie Georg Kronawitter kannten, oder erst durch die politische Tätigkeit Ihres Mannes?

Antwort: Meine Neugier für politisches Geschehen fing ganz unbewusst schon sehr früh in meiner Kindheit an. Ich bin im Bayerischen Wald aufgewachsen. Schon als ich zur Volksschule ging, las ich die Tageszeitung. Vor allem habe ich mich schon immer für historische Zusammenhänge interessiert.

Frage: Können Sie sich an ein konkretes Beispiel erinnern, welches Sie besonders beeindruckt hat und das Ihnen wichtig war?

Antwort: Ja, was mir immer noch sehr lebhaft in Erinnerung ist waren die Diskussionen um die Wiederbewaffnung Deutschlands. Ich war ungefähr neun Jahre alt und war fasziniert, wie Menschen so lebhaft miteinander diskutieren konnten. Wie unterschiedlich die Meinungen waren.

Frage: Haben Ihnen diese Diskussionen Angst gemacht?

Antwort: Nein. Ich hatte ja den Krieg nicht erlebt. Ich fand es einfach interessant, diesen Diskussionen zuzuhören.

Frage: Nach Ihrer kaufmännischen Lehre haben Sie neben Ihrer Berufstätigkeit die mittlere Reife und das Abitur gemacht. Anschließend Betriebswirtschaftslehre in München studiert und schließlich in Wirtschafts- und Sozialgeschichte promoviert. Was hat Sie angetrieben?

Antwort: Ich habe Spaß am Lernen und es ist mir wichtig, Ziele zu haben. Diese Ziele will ich dann auch in die Tat umsetzen.

Frage: Zum Beispiel die Münchner Seniorenbörse, die Sie vor zehn Jahren gegründet haben?

Antwort: Die Grundidee hatte ich, weil damals viele Menschen Opfer der so genannten "Vorruhestandsregelung" wurden. Ich dachte: "Diese Potentiale könnten in einem selbst organisiertem Team von großem Nutzen sein. Unter dem Motto "Gleichaltrige für Gleichaltrige" sollte die Seniorenbörse aufgebaut sein. Und für Gesprächskreise, Begegnungen und Initiativen jedweder Art Raum bieten."

Frage: Wie wurde aus der Idee Realität?

Antwort: Ich habe ein Konzept geschrieben und im Sozialreferat der Stadt München, in der Abteilung Offene Altenhilfe vorgeschlagen. Der damalige Leiter, Dr. Helmut Braun, hat meinen Vorschlag unterstützt.

Frage: Haben Sie das alles ohne Probleme umsetzen können?

Antwort: Ja, mit einigen engagierten Frauen, motiviert von Dr. Helmut Braun, orientierten wir uns an den Seniorengenossenschaften in Baden-Württemberg. Besondere Unterstützung hatten wir durch den Sozialreferenten Friedrich Graffe. Das Bayerische Sozialministerium sichert bis heute die Existenz der Seniorenbörse, denn unser ehrenamtliches Engagement würde nicht ausreichen. Die Ausstattung der Räume schafften wir mit viel Eigenarbeit und beträchtlichen Mitteln aus der Stiftung "Fonds Münchner Altenhilfe". Auch die Spenden der Firma Bauland GmbH München und der Jubiläumsstiftung der Deutschen Bank AG, Filiale München, haben uns geholfen.

Frage: Was kann die Seniorenbörse leisten, was bietet sie an?

Antwort: Die Seniorenbörse will beitragen, Kompetenzen und Fähigkeiten von Menschen jenseits der beruflichen Einbindung zu mobilisieren. Bisher vernachlässigte Interessen pflegen. Meiner Meinung nach sind Computerkurse besonders wichtig, um die digitale Spaltung in der Gesellschaft zu überwinden. Jeder soll gestaltend mitwirken können. Denn nur so können Menschen die Veränderungen aktiv miterleben. Die offene Tür der Seniorenbörse gilt im Besonderen jenen, die für andere etwas "anbieten" wollen. Sei es ein Vortrag, ein Stadtrundgang, gemeinsame Reisen, eine Gesprächsreihe, Nachbarschaftshilfe, Koch- oder sonstige Kurse. Je nach Interesse, Nachfrage und Angebot.

Frage: Wer trägt die Organisation dieser Einrichtung?

Antwort: Es gibt ein Team von Frauen und Männern, das sich mit viel Tatkraft, Zeitaufwand und Hingabe überwiegend ehrenamtlich engagiert. Nach der Devise: "Machen Sie was Sie wollen, aber machen Sie mit!" Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter und Referenten bieten ihr Know-How und veranstalten Gesprächskreise zu den allgemeinen Dingen des Lebens, zu Wirtschaftsfragen, organisieren Städtetouren oder Münchner Stadtrundgänge. Es gibt auch Aquarellmalen, Bridgekurse, Practise-your-English-Treffs, biografische Geschichtsstunden oder Gesundheitsthemen mit einschlägiger Anwendung wie Tai Chi. Ein Renner sind seit 1995 die Kochkurse für Männer.

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Antwort: Dass sich die Seniorenbörse die Offenheit für Neues bewahren kann und die Lust am Ausprobieren bleibt. Im Besonderen aber wünsche ich ihr und uns als Träger, dass sich weiterhin motivierte Frauen und Männer finden, die sich verführen lassen zum Mitmachen - sei es im Team, sei es als Anbieterinnen und Anbieter. Beide zusammen und viele Besucherinnen und Besucher machen eine Einrichtung wie die Seniorenbörse erst lebendig.

Text: Silvia Tieber

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Portrait

"Organisation ist meine Stärke"

Ulla Orts Augen strahlen, wenn sie über die Seniorenbörse spricht. "Darüber sollten Sie schreiben; über mich gibt es nicht so viel zu berichten", bittet sie. Seit 1995 ist Orts Name untrennbar mit dem offenen Treffpunkt für Menschen ab 55 Jahren in der Rumfordstraße verbunden.

Sie sei eher unvermutet zur Seniorenbörse gekommen, sagt sie und hält kurz inne. Die 65-Jährige lächelt und streicht sich mit der Hand eine Strähne der modischen Kurzhaarfrisur aus dem Gesicht. Schon 1991 hatte sie beim Verein für Fraueninteressen in der Gruppe "hauswirtschaftliche Beratung für verschuldete Familien" mitgearbeitet. Eines Tages sprachsie Dr. Hildegard Kronawitter wegen einer neuen Idee an: Ob sie nicht mithelfen würde, ein neues Projekt für Senioren mit auf die Beine zu stellen. Sie wollte und stürzte sich mit vollem Engagement in den Aufbau dieser Einrichtung. Die Organisation der Seniorenbörse, einer beratenden und helfenden Anlaufstelle von Senioren für Senioren, gehörte von da an zu Ulla Orts Leben. Zusammen mit einem Team an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen erarbeitet sie seit zehn Jahren ein breitgefächertes Veranstaltungsprogramm. Vorträge zu aktuellen Wirtschaftsfragen, Kochkurse für Mä,nner, S-Bahnwanderungen und Sprachkurse sind nur ein kleiner Ausschnitt aller Kurse. Immer ist Ulla Ort auf der Suche nach neuen Projekten oder Referenten für Vorträge zu aktuellen Themen. In ihrer freundlichen Art moderiert sie die vielschichtige Aufgabenverteilung.

"Zwischen 70 und 90 Stunden im Monat" ist sie offiziell in der Rumfordstraße. Doch schon früh morgens, wenn sie ihre täglichen Joggingrunden dreht, ist sie mit ihren Senioren beschäftigt. Im Geiste geht sie beim Laufen durch, "was so anfällt". Dass die Seniorenbörse auch in ihrem privaten Leben dominiert, gibt sie unumwunden zu. "Ich hatte das Glück, Zeit für einen Job zu haben" meint sie fast entschuldigend. Die beiden Kinder sind schon lange selbständig. Die Familie zeigte Verständnis für die zeitraubende Tätigkeit. Eine Tochter hat schon die Betreuung der Homepage übernommen.

Einen Ausgleich zum Beruf findet sie beim Bridge. Sie bezeichnet sich selbst als eine "begeisterte Spielerin" und trifft sich jede Woche mit Gleichgesinnten. Mit Radfahren und Joggen hält sie sich körperlich fit. Nicht zu vergessen ihre Trekking-Touren. "Einmal im Jahr fahre ich in den Himalaya", erzählt sie mit leuchtenden Augen. Auch in der Ferne scheut sie keine schwierigen Wege. Die Umrundung des Kailash liegt schon hinter ihr. "Gute Kondition ist nötig; so bekomme ich den Kopf wieder frei für Neues", kommentiert sie ihre vielen sportlichen Aktivitäten und deutet mit der Hand nach hinten, in Richtung der Eingangshalle der Seniorenbörse. Eine Gruppe älterer Damen will sich mit ihr zur wöchentlichen Teamsitzung treffen.

Rasch klappt sie den Stuhl zusammen und räumt ihn in ein Holzregal: "Das Regal hat auch ein Senior selbst entworfen und gebaut". Sie ist stolz auf die kreativen Eigenleistungen und selbst immer wieder erstaunt, was alle beitragen. Ulla Ort beherrscht die Kunst, Menschen zu motivieren und zu ermutigen, auch im Alter aktiv zu bleiben oder zu werden. Auf ihre vorsichtige aber bestimmte Art gelingt es ihr mitzureißen, zu aktivieren und die Kreativität des Einzelnen anzusprechen.

Mit wenigen Schritten eilt sie die Treppe zu der Eingangshalle hinunter. "Dann machen wir jetzt weiter", wendet sie sich dem Team zu. Auf dem Tisch liegen Papier und Stifte. Ein beschriebener Zettel an ihrem Platz führt die noch zu erledigenden Aufgaben auf. Die Agenda ist lang. Für Ulla Ort bleibt auch in Zukunft noch viel zu tun.

Text: Sabine Hartmann

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